Biografie:

1940 in Radebeul geboren
1955-60 Lehre und Tätigkeit als Steinmetz und Steinbildhauer in Dresden
1960-65 Bildhauerstudium an der Hochschule für Bildende Künste Dresden, Lehrer: Gerd Jäger, Hans Steger und Walter Arnold
seit 1965 freischaffend in Jena und Kahla
1978 Kunstpreis der DDR
seit 1991 Lehrauftrag für Plastik an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig
seit 1993 Leiter der Werkstatt für Plastisches Gestalten an der HGB Leipzig

Ausstellungen u.a. in Berlin, Cottbus, Dresden, Erfurt, Gera, Görlitz, Jena, Karlsruhe, Leipzig, Magdeburg, Plauen, Rostok, Weimar und Zwickau

Werke in öffentlichen Sammlungen in Berlin, Cottbus, Dresden, fankfurt/Oder, Gera, Halle, Jena, Leipzig, Magdeburg und Weimar

Karl-Heinz Appelt

Der menschliche Körper ist seine Passion. Da kann er mit Rundformen spielen, wuchten, türmen und ballen, kann sie zu Vertikalen steilen oder Liegende sich bäumen lassen. Er kann die Korpusse zu Hochglanz rüsten oder abstumpfen, bis sich in ihnen kein Licht mehr bricht. Und Korpus heißt ihm hier vorwiegend weiblich, in ihm kann er pralle, potenzierte Sinnlichkeit bis zu blitzender Gefahrenstufe steigern. Oder er reduziert seine Figuren zu amorphen, difformen Gestalten, bläst schließlich Formschaum auf, bis sie sich „wie Heuhaufen" gegenübersitzen. Neuerdings ätherisiert er die Figuren vollends zu Plexiglasgebilden, zu erstarrten Unruhen und nennt sie dann u.a. „Begegnung unter ungeklärten Umständen".
Und Appelt weiß, dass die Menschheit ein Bestiarium auch ist. Er verfremdet es und nennt's Lapidarium. Man könnte das frei mit Stein-Reich umschreiben, das hintergründig wohl Steinzeit als auch Versteinung assoziieren soll. In seinen Steindrucken lebt er diese Möglichkeitsspanne voll aus. Er verschraubt die Menschwesen bis zu gefährdeter Statuarität, hievt sie auf Podeste, und sie umstehen und umlauern sich dann wie fossile Götter und Götzen: Es entstehen Szenerien, die im Dialog erstarrt sind, Petrefakten aus vergangenen Äonen. Ist's ein Walhall oder der Pranger? Sind's in den Himmel erigierende Steine? Beseelte Stalagmiten? Aber immer sind's in Stimmung getauchte Steinzeichnungen in einem beredten Umfeld. Der passionierte Bildhauer kostet in ihnen mittels Schaben, Wischen und Spritzen sowohl diffuse als auch diffizile grafische Reize aus. Schließlich erklärt er gar die Getränkedose zum Leitfossil unserer Tage. Er nennt sie „Opfer der Straße", prägt sie in edles Bütten und erhebt sie dadurch zu einem Signet der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts.

Dr. Maren Kroneck

 

Leitfossilien der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts
2001/2002
Prägung auf Bütten

Designelement-leeres Bild
 

Leitfossilien der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts
2001/2002
Prägung auf Bütten

Designelement-leeres Bild
 

Leitfossilien der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts
2001/2002
Prägung auf Bütten

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